Ergebnisse 2007

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EffWB 2007

Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern, EffWB
Präsentation der Ergebnisse der dritten Projektrunde im Rahmen einer offiziellen Abschlussveranstaltung am 25. Juni 2008

von Harald Kiesl, Diplom-Kaufmann und Associate Partner, Rödl & Partner

Im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung des Verbands der bayerischen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. (VBGW) und des Verbands der bayerischen Elektrizitätswirtschaft e.V. am 25.06.2008 München wurden die Ergebnisse der dritten Projektrunde EffWB 2007 der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Erstmals wurden bei dieser Gelegenheit vier Wasserversorgungsunternehmen mit einer „Best-Practice“ Urkunde durch den Staatsekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Herrn Dr. Marcel Huber ausgezeichnet.

Weitere Information sowie die Vorträge finden sich auf der Projekthomepage www.effwb.de.

Das bayerische Benchmarking Projekt EffWB war und ist ein voller Erfolg!

Bereits zum dritten Mal wurde das Benchmarkingprojekt in Bayern erfolgreich abgeschlossen. 89 Unternehmen haben sich am aktuellen Leistungsvergleich beteiligt, um eine Positionsbestimmung Ihres eigenen Unternehmens zu ermitteln. Die positive Resonanz der Teilnehmer war beeindruckend, der Nutzen für die Teilnehmer ist unbestritten und die Wirkung auf die nationale und europäische Modernisierungsdiskussion ist beachtlich.

Der Ablauf der Datenerhebung und Auswertung erfolgte in der bewährten Struktur der vorherigen Projektrunde. Anfang Juni 2007 wurden die ersten Erhebungsdateien versandt und die Online-Nutzerprofile freigeschaltet. Das Engagement und die Rückläufe der Erhebung waren sehr unterschiedlich. So lag die kürzeste Bearbeitungszeit inklusive der notwendigen Plausibilisierung bei nur etwa vier Wochen, die längste betrug bis zu vier Monaten. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die kurzfristige Reaktionszeit, die jederzeitige Verfügbarkeit und die fachliche Qualifikation des projektdurchführenden Dienstleisters Rödl & Partner wesentlich zur Akzeptanz des Projektes beitrug und damit als ein weiterer Schlüsselfaktor für erfolgreiche Benchmarking Projekte anzusehen ist.

Insgesamt haben sich damit bisher mehr als 220 bayerische Wasserversorger der zugrundeliegenden Erhebungs- und Auswertungssystematik unterzogen. Tendenziell muss aber festgestellt werden, dass die Wasserversorger mit einer jährlichen Netzabgabe von weniger als 500.000 m³ - die bezogen auf die absolute Anzahl an Unternehmen nicht nur in Bayern, sondern bundesweit die Mehrheit bilden - im Bezug auf die Beteiligungsquote an Kennzahlenvergleichen das Schlusslicht bilden. Besonders hoch hingegen ist die Teilnehmerquote bei den großen Wasserversorgern.

Offensichtlich ist es bisher nicht gelungen, eine Vielzahl der bayerischen Wasserversorger vom Nutzen für ihr Unternehmen aber auch von der politischen Bedeutung dieses Projektes für die gesamte Branche zu überzeugen.

Ähnlich wie bei der Einführung der ersten Leistungsvergleiche im Jahr 2001 kann auch jetzt wieder der Druck auf die Branche zunehmen, sehr kurzfristig Botschaften von der erfolgreichen Etablierung und Nutzung des „Quasi Wettbewerbs“ Benchmarking in der Monopolsparte Wasserversorgung an die interessierte Öffentlichkeit, Politik sowie die Vertreter von Umwelt- und Verbraucherschutz auszusenden. Dies erscheint aktuell möglicherweise etwas viel verlangt, da zahlreiche Unternehmen der Branche - vor allem kleine und mittlere - sich erst schrittweise mit der Einführung von Leistungsvergleichen anfreunden und den nachhaltigen Beweis, mit diesem Instrument dauerhaft arbeiten zu wollen, noch schuldig bleiben. Die politisch Verantwortlichen mögen als ungeduldig und die Forderungen als voreilig angesehen werden, zu ändern wird dies aber vermutlich nicht sein.

Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht nach wie vor die optimale Versorgung zu möglichst günstigen Preisen. Kennzahlenvergleiche werden also dauerhaft nur dann geeignete Antworten auf die gestellten Fragen liefern können, wenn sie in der Lage sind, belastbare Zeugnisse für die Optimierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses bei gleichbleibend hohem Leistungsniveau zu geben. Das erweiterte EffWB Fachkonzept ist dazu zweifellos in der Lage.

Dennoch gilt es noch einige Aspekte hervor zu heben, ohne deren kurzfristige Realisierung keine überzeugende Argumentation zu entwickeln sein wird. Hierzu zählen:

  • Hohe Teilnehmerzahlen als klare Botschaft der Branche, dass Leistungsvergleiche die akzeptierte Alternative zu regulatorischen Maßnahmen sind
  • Darstellung konkreter Verbesserungen, die durch Leistungsvergleiche motiviert sind
  • Aktive Kommunikation der Ergebnisse auch im belastbaren Mehrjahresvergleich (konstantes Teilnehmerfeld)

Die Ergebnisse der dritten Projektrunde EffWB bestätigen erneut die hohe Niveau der Versorgung sowie die Leistungsfähigkeit der teilnehmenden Unternehmen und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Die Einführung eines Einstiegsmodells war erfolgreich
    Auf Grund der Entwicklung der Teilnehmerzahlen im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen wurde bei EffWB 2007 erstmals ein Einstiegs- und ein Vertiefungsmodell angeboten. Dabei wurden die positiven Erfahrungen von Rödl & Partner aus dem landesweiten Verbändemodell Baden-Württemberg auf Bayern übertragen. Nahezu alle Neueinsteiger im Projekt konnten für das Einstiegsmodell interessiert werden.
  2. Die Projektlaufzeit muss verkürzt und flexibilisiert werden
    Mit einer ungefähren Projektlaufzeit von etwa einem Jahr liegt das EffWB-Projekt zwar im „Benchmark“, es ist aber das erklärte Ziel der Projektträger, zu einer kürzeren Projektlaufzeit und einer flexibleren Beteiligung zu gelangen. Laufzeiten von sechs Monaten oder weniger sind notwendig, wenn die Erkenntnisse des Leistungsvergleichs als Grundlage einer unternehmerischen Steuerung dienen sollen. Auch der Einstieg in das Projekt muss jederzeit möglich sein um dem Bedarf der Unternehmen noch besser Rechnung tragen zu können. EffWB hat inzwischen ausreichend Teilnehmer, dass diese Flexibilisierung ohne weiteres möglich ist.
  3. Die Teilnahme- und Wiederholerquote ist viel zu gering
    Um gegenüber den Kritikern der bestehenden Strukturen nachhaltig überzeugende Argumente vorbringen zu können, muss die absolute Zahl der Teilnehmer kontinuierlich weiter steigen. Benchmarking lebt zudem vom Vergleich über einen längeren Zeitraum. Die einmalige Teilnahme ist sinnvoll, ist aber für den Nachweis einer kontinuierlichen Verbesserung nicht geeignet. Die Quote der Unternehmen, die regelmäßig am EffWB-Projekt teilnehmen muss daher signifikant steigen. Die bisherige Rückmeldung auf das in dieser Runde erstmals etablierte Einstiegsmodell lässt bereits eine positive Entwicklung erwarten.
  4. Die regelmäßigen Teilnehmer gehören zu den besten Unternehmen der Branche
    Die wenigen Unternehmen, die seit dem ersten Erhebungsjahr 2000 ihre Unternehmensdaten zur Verfügung stellen, zeigen, dass sie zu den besten der Branche gehören. Ihre Kennzahlenergebnisse entwickeln sich überdurchschnittlich positiv und die Wirkung von Benchmarking in diesen Unternehmen wird regelmäßig eindrucksvoll bestätigt. Noch ist die Zahl der regelmäßigen Wiederholer zu klein, um daraus repräsentative Erkenntnisse ziehen zu können. Die Branche wird allerdings dauerhaft nur dann überzeugen können, wenn dies der Fall ist.
  5. Der Umfang der Aufgabenwahrnehmung ist auf einem konstant hohem Niveau
    Mit 91 % Erfüllungsgrad bei der Aufgabenwahrnehmung bestätigen die teilnehmenden Unternehmen erneut die hohen Werte der Vorjahre. Kostendruck, allgemeine Preissteigerungen und andere Einflüsse wirken sich insoweit erfreulicherweise nicht auf den Umfang der erbrachten Leistungen aus. Ein kontinuierlicher Wert um 90 % im Zeitreihenvergleich unterstreicht erneut das hohe Niveau der bayerischen Wasserversorger.
  6. Der Grad der Organisationsqualität ist gestiegen
    Die Organisationsqualität der teilnehmenden Unternehmen hat sich gegenüber vorangegangenen Erhebungen sehr positiv entwickelt. Die Initiative des Bayerischen Landesamts für Umwelt (BOH Projekt – Betriebs- und Organisationshandbuch) zur Verbesserung der Organisationsqualität in bayerischen Wasserversorgungsunternehmen zeigt hier offenbar Wirkung. Diese Initiative wurde durch die Ergebnisse der ersten EffWB-Untersuchung für das Jahr 2000 ins Leben gerufen und führt durch einen staatlich begleiteten Prozess zur schrittweisen Verbesserung der Organisation von Wasserversorgungsunternehmen im Sinn des technischen Regelwerkes (DVGW W 1000).
  7. Erste Effizienzsteigerungen sind sichtbar
    Trotz allgemein steigender Kosten bei den Wasserversorgern stieg der Wasserpreis nur moderat und liegt deutlich unter der allgemeinen Preissteigerung. Die Teilnehmer setzen sich damit positiv vom allgemeinen Trend der Belastung privater Haushalte durch Leistungen der Grundversorgung ab. Verbraucherschützer haben somit aus Sicht der Kostenentwicklung grundsätzlich keinen Anlass an der Wirtschaftlichkeit dieser Wasserversorgungsunternehmen zu zweifeln.
  8. Wasserverluste sind rückläufig
    Die Kennzahlen bei den Wasserverlusten liegen erneut auf niedrigem Niveau. Die erneute Bestätigung der hohen Versorgungssicherheit ist sowohl für die nachhaltige Bewirtschaftung des Wasserhaushalts von herausragender Bedeutung, als auch aus wirtschaftlicher Sicht ein hervorragender Indikator für eine effiziente und hochwertige Leistungserbringung.
  9. Die Auszubildendenrate ist steigend
    Qualifizierte Nachwuchskräfte für die Wasserversorgung zu gewinnen wird immer schwieriger. Der Kreis der Teilnehmer hat dieses Problem der Zukunft erkannt. Statt auf die Vermittlung qualifizierter Mitarbeiter durch den Arbeitsmarkt zu hoffen, setzen die Teilnehmer verstärkt auf die Ausbildung junger Menschen im eigenen Unternehmen. Diese Entwicklung kann einen Beitrag leisten, das aktuell hohe Niveau der bayerischen Wasserversorgung nachhaltig zu sichern.
  10. Die positive Wirkung von Benchmarking muss transparenter werden
    Die Anlaufphase zur Hinführung der Wasserversorgungsbranche an das Instrument der Leistungsvergleiche geht ihrem Ende zu. Erste positive Wirkungen können im Vergleich dargestellt werden. In einzelnen Unternehmen sind ebenso überzeugende Beispiele der Wirkung von Benchmarking festzustellen. Die Außenkommunikation dieser Wirkungen muss erhöht werden, um auch auf individueller, lokaler Ebene mit Taten statt Worten überzeugen zu können.

Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein!

Die bisherigen Erfolge und Ergebnisse des EffWB Projekts zeigen, dass sich die bayerische Wasserwirtschaft seit den Anfängen der Diskussion über Leistungsvergleiche mit einem ganzheitlichen Ansatz im Jahr 2000, positiv entwickelt hat. Gemeinsam haben sich die beteiligten Unternehmen, die Projektträger und Rödl & Partner auf den Weg gemacht, die Leistungen der Branche dauerhaft transparent zu machen und dort zu verbessern, wo auf der Grundlage einer objektiven Untersuchung Handlungsbedarf sichtbar wird. Einiges wurde seit der ersten Untersuchung im Sinne einer betriebswirtschaftlich und technisch optimalen Versorgung bewegt - aber wir sind noch nicht am Ziel! Auch in diesem Jahr zeigt sich, dass die teilnehmenden Unternehmen insgesamt sehr gute Leistungen zu angemessenen Gebühren und Preisen erbringen. Zahlreiche Verbesserungspotentiale konnten identifiziert werden und zahlreiche Unternehmen befinden sich bereits in der Umsetzung konkreter Maßnahmen, die sich aus ihren Individualberichten ableiten lassen.

Seit dem Anstoß zu diesem Projekt ist damit vieles in Bewegung geraten. Das „EffWB - Konzept“ ist weit über Bayern hinaus zu einer Marke und zum Sinnbild einer wirkungsvollen Alternative marktliberaler Wettbewerbsszenarien geworden und hat zahlreiche Nachahmer in anderen Bundesländern und im europäischen Ausland gefunden. 2009 geht die Initiative der Projektbeteiligten - das Bayerische Landesamt für Umwelt, der Verband bayerischer Gas- und Wasserwirtschaft e. V., der Bayerische Gemeindetag und der Bayerische Städtetag - ins zehnte Jahr. Der wahre Erfolg der Initiative wird sich dann zeigen, wenn die bayerische Wasserwirtschaft nachhaltig unter Beweis stellt, dass sie dieses Angebot an einem freiwilligen Leistungsvergleich als Grundlage für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess annimmt. Die Projektträger und Rödl & Partner würden sich freuen, wenn es gelänge, mehr Unternehmen zu einer regelmäßigen und dauerhaften Teilnahme zu gewinnen. Gerade unter diesem Aspekt ist die Branche noch lange nicht dort angelangt, wo sie in den nächsten Jahren hin muss, um die bewährten kommunalen und dezentralen Strukturen zu erhalten und auch künftig selbst gestalten zu können!

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.effwb.de oder wasser@roedl.de. Darüber hinaus stehen Ihnen die Kollegen von Rödl & Partner jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Auszeichnung der Best Practice Unternehmen 2007

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung zur 3. Projektrunde der Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern wurden erstmals bei dieser Gelegenheit vier Wasserversorgungsunternehmen mit einer „Best-Practice“ Urkunde durch den Staatsekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Herrn Dr. Marcel Huber ausgezeichnet.

Folgende Teilnehmer wurden in ihrer jeweiligen Gruppe als Best Practice Unternehmen ausgezeichnet:

Zweckverband zur Wasserversorgung
der Alto-Gruppe:
Ingolstädter Kommunalbetriebe AöR:
 

 
Zweckverband zur Wasserversorgung
der Reckenberg-Gruppe:

 
Stadtwerke Vilsbiburg: