Ergebnisse 2004

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EffWB Benchmarking 2004

Die zweite Runde der Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern (EffWB 2004) ist abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden letzte Woche in Regensburg-Pettendorf der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Einstimmiges Fazit: Gute Noten für die betrachteten Wasserversorger, aber insgesamt wäre eine höhere Teilnahme wünschenswert.

Nach wie vor befindet sich die Wasserwirtschaft im Spannungsfeld zwischen der einerseits weitreichenden Überzeugung in Politik und Öffentlichkeit, dass die Trinkwasserversorgung zu sensibel ist, um sie den Kräften eines liberalisierten Marktes auszusetzen und dem andererseits nicht verstummen wollenden Vorurteil, fehlender Wettbewerb führe zu verkrusteten Strukturen, ineffizientem und unflexiblem Handeln. Diese Positionen haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass die deutsche Wasserversorgung zwar immer wegen ihrer überragenden Qualität gelobt, gleichzeitig aber auch häufig als zu teuer und zu personalintensiv an den Pranger gestellt wurde. Verstärkt wurde diese Situation durch unterschiedliche Initiativen auf europäischer Ebene, den Binnenmarkt auch auf die Wasserwirtschaft auszudehnen. Stichworte, die in der Branche für Aufmerksamkeit gesorgt haben, sind hier u.a. Liberalisierung und Ausschreibungswettbewerb.

Die deutsche - und nicht zuletzt auf Initiative Bayerns bereits 2001 forcierte - Antwort auf derartige Überlegungen ist eine aktiv betriebene Modernisierungsstrategie, deren zentrales Element die Etablierung eines flächendeckenden und freiwilligen Benchmarkings in der Wasserwirtschaft darstellt. Durch den ganzheitlichen Vergleich der Leistungsfähigkeit soll die viel zitierte Forderung nach Steigerung der Effizienz der Wasserversorger unter Beibehaltung des anerkannt hohen Standards auf eine sachliche und objektive Basis gestellt werden können. Der wichtige kontinuierliche Verbesserungsprozess kann auf diese Weise moderiert und unter Verwendung anerkannter Grundlagen unterstützt werden.

Erfreulicherweise sind die Erfahrungen und Überzeugungen der gesamten Wasserwirtschaft inzwischen gebündelt. So werden gemeinsame Anstrengungen aller maßgeblichen Verbände unternommen, um einen einheitlichen Rahmen für die künftige Ausgestaltung von Benchmarking in der Wasserwirtschaft zu schaffen. Neben der grundlegenden Verbändeerklärung zum Benchmarking Wasserwirtschaft sind hier der gemeinsame Leitfaden Benchmarking der Verbände DWA und DVGW sowie die angekündigte Zusammenführung des begleitenden Regelwerks zu den für die gesamte Wasserwirtschaft geltenden Vorgaben zu nennen.

Drohkulisse Zwangsbenchmarking damit vom Tisch?

Trotz dieser positiven Entwicklungen darf nicht übersehen werden, dass die Forderung nach einem „Zwangsbenchmarking“ nicht ad acta gelegt ist. Nachrichten aus Brüssel, wie der Entwurf einer Stellungnahme von Werner Langen, MdEP zum „Weißbuch zu Dienstleistungen von allgemeinem Interesse“ vom April diesen Jahres - „...8. ist der Ansicht, dass eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, z.B. durch verpflichtende Benchmarks, zu prüfen ist, wenn keine sektorale Liberalisierung vorgeschlagen wird (z.B. Wasserversorgung).“ - zeigen dies deutlich. Will die Branche also auch in Zukunft die Chance haben, das Ruder in der Hand zu halten und die Entwicklung aktiv mitzugestalten, müssen solchen Initiativen auch weiterhin überzeugende Argumente entgegengehalten werden. Der Anfang ist mit den bisherigen Benchmarking Projekten sicherlich gemacht, aber ein anhaltender Erfolg wird nur möglich sein, wenn drei Faktoren gewährleistet werden bzw. bleiben:

  • die Zahl der Teilnehmer an objektiven Leistungsvergleichen muss anhaltend hoch und repräsentativ für die gesamte Branche sein
  • die veröffentlichten Ergebnisse solcher Vergleiche müssen die erhoffte Transparenz bieten und Optimierungspotenziale benennen
  • mit Unterstützung der Politik und der jeweiligen Verantwortlichen müssen die richtigen Schlüsse gezogen und Maßnahmen umgesetzt werden.
  • Nicht zuletzt durch den aktuellen Beschluss des Europaparlaments scheint derzeit eine gewisse Ruhe im Hinblick auf ein verpflichtendes Benchmarking eingekehrt zu sein. Hieraus indes eine langfristige Sicherheit für den Erhalt des Status quo abzuleiten, dürfte sicher eine grobe Fehleinschätzung sein. Es muss deshalb im Interesse aller Beteiligten liegen, das Verständnis für die Vorteilhaftigkeit und den Nutzen von objektiven Leistungsvergleichen weiter zu befördern. Das gilt für die Unternehmen selbst, für ihre Verbandsvertreter, die politisch Verantwortlichen und die Vertreter der kommunalen Spitzenverbände.

Ergebnisse der aktuellen Studie EffWB 2004

Vor diesem Hintergrund ist es um so erfreulicher, dass für die zweite Runde des bayerischen Benchmarking Projekts EffWB erneut 84 Teilnehmer gewonnen werden konnten. Zeigt dies doch, dass vor allem mittlere und größere Wasserversorger die Zeichen der Zeit erkannt haben, um mit derartigen Leistungsvergleichen nicht nur internen Nutzen zu generieren, sondern damit auch offensiv nach außen aufzutreten. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die zentralen Aussagen der ersten Projektrunde EffWB werden durch die aktuellen Ergebnisse bestätigt.
  • Der kontinuierliche Vergleich der Leistungsfähigkeit hilft Schwächen erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
  • Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der jeweiligen Gruppen 2000 und 2003 ist die unmittelbare Ableitung von Entwicklungen nicht immer uneingeschränkt möglich.
  • Insgesamt können jedoch für den Kreis der Wiederholer Verbesserungen festgestellt werden.
  • Nicht alle Teilnehmer erfüllen die gemäß Technischem Regelwerk (DVGW W 1000) zu stellenden Anforderungen an Trinkwasserversorgungsunternehmen in gleichem Umfang (Auch wenn im Vergleich zu 2000 eine allgemein steigende Tendenz zu verzeichnen ist, bleibt ein gleichbleibender Gesamttrend zu konstatieren: „Je größer das WVU, desto höhere Werte bei der Erfüllung der W 1000“)
  • Etwa 50 % der teilnehmenden Unternehmen haben niedrige Wasserverluste (gemäß DVGW Arbeitsblatt); weitere 30 % mittlere Wasserverluste
  • Die Sicherheit und Qualität der Versorgung ist auf einem hohen Niveau; dies bestätigen eindruckvoll die Kennzahlenergebnisse bei der Ressourcen- und Anlagenauslastung, der zentralen Anlagenüberwachung, der Zuverlässigkeit der Versorgung, der Wasserverluste sowie der Schadensraten

Auf Basis der aktuelle Datenbank des EffWB Benchmarking Projekts - zwischenzeitlich sind hier mehr als 140 Datensätze bayerischer Versorger für die Jahre 2000 und 2003 eingespeist - können zudem folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:

  • Eine aktive Teilnahme vieler WVU untermauert Leitbildcharakter des Projekts.
  • Die Beteiligung kleiner WVU kann noch wesentlich ausgebaut werden
  • Das EffWB Fachkonzept war und ist geeignetes Instrument für WVU jeder Größenordnung
  • Echte best-practice Unternehmen gibt es in allen Größengruppen und Rechtsformen.
  • Bei der Netzerneuerung besteht Handlungsbedarf.
  • Eine dauerhaft deutliche Kostenunter- oder Kostenüberdeckung der Wasserpreise ist zu vermeiden
  • Organisatorische Defizite sind zu beseitigen.
  • Kooperationsmöglichkeiten sind trotz Verbesserungen bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
  • Die kontinuierliche Teilnahme an EffWB zahlt sich aus.

Insgesamt zeigt sich damit, dass das EffWB Projekt ein voller Erfolg war und ist. Der Nutzen für die Teilnehmer ist unbestritten, die Auswirkung auf die aktuelle Modernisierungsdiskussion beachtlich. In die gleiche Richtung argumentierten unisono auch die Vertreter der teilnehmenden Wasserversorger, die auf Grundlage der umfangreichen individuellen Berichterstattung den Nutzen der Untersuchung für ihr Unternehmen der Fachöffentlichkeit überzeugend darstellen konnten. Gleichwohl wurden dabei aber auch konstruktive Vorschläge zur Optimierung der Erhebungs- und Auswertungssystematik artikuliert, die derzeit Gegenstand der Aktualisierung des EffWB-Fachkonzepts sind. Damit soll auch deutlich werden, dass das bayerische Benchmarking Projekt selbst einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterliegt.

Ist der Grundsatz der Freiwilligkeit gefährdet?

Der Grundsatz der Freiwilligkeit bleibt für den Erfolg eines objektiven Benchmarking Projekts von zentraler Bedeutung. Die Gefährdung des Freiwilligkeitsgrundsatzes durch anhaltend rückläufige Teilnehmerzahlen wäre unter diesem Gesichtspunkt deshalb das falsche Signal. In jüngerer Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Bereitschaft, an Leistungsvergleichen teilzunehmen, mit der Unternehmensgröße steigt. Dies verdeutlicht auch die aktuelle Teilnehmerstruktur der zweiten Runde der Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern. Hier zeigt sich, dass die Bereitschaft zur Teilnahme an Leistungsvergleichen mit der Größe des Unternehmens steigt (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Teilnehmerstruktur aller bisher in der EffWB Datenbank erfassten Unternehmen

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Analyse der Teilnehmerstruktur der Unternehmen, die sich bereits zum zweiten Mal am Benchmarking-Projekt beteiligt haben. Hier ist ebenfalls eine sehr gute Quote bei größeren und mittleren Unternehmen zu verzeichnen und eine bedauerlich niedrige Wiederholerquote bei den kleinen Unternehmen (siehe hierzu Abb. 2).

Abb. 2: Teilnehmerstruktur der Projekt-Wiederholer

Bei der Suche nach den Ursachen für dieses Phänomen wird sehr oft der Aufwand für solche Untersuchungen ins Feld geführt. Dabei wird jedoch verkannt, dass mehr als 75 % der erforderlichen Informationen bei WVU ohnehin bereits vorliegen (Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz, Meldungen an das statistische Landesamt, etc.). Zudem zeigt die Erfahrung aus beiden Projektrunden, dass gerade auch kleine Unternehmen bei entsprechender Aufbereitung und Einschränkung der geforderten Daten in der Lage sind, die Erhebung in einem vertretbaren zeitlichen Rahmen zu bewältigen. Die Vermutung liegt also nahe, dass sich die relative Zurückhaltung der kleinen Unternehmen nicht allein mit dem tatsächlich entstehenden Aufwand erklären lässt. Bleibt also möglicherweise noch der psychologische Aspekt, d.h. einerseits die Überzeugung, eine Positionsbestimmung sei für ein kleineres Unternehmen wenig hilfreich und andererseits die Angst vor dem vermeintlichen Aufwand. Beiden Befürchtungen muss durch intensive Aufklärung der verantwortlichen Projektträger (Branchenverbände, die kommunalen Spitzenverbände und die Wasserwirtschaftsverwaltung) entgegengewirkt werden. Es muss wieder und wieder verdeutlicht werden, welche Bedeutung die Teilnahme für die gesamte Branche hat und welche individuellen Vorteile das jeweilige Unternehmen aus einer Teilnahme ziehen kann.

Denn nur eine dauerhafte und umfangreiche Akzeptanz von freiwilligen Benchmarking Projekten sichert deren nachhaltigen Erfolg und wirkt damit der Gefahr eines Zwangsbenchmarking entgegen! Aktuelle Informationen über Benchmarking-Aktivitäten in der Wasserwirtschaft finden Sie unter www.effwb.de. Hier können Sie auch den aktuellen Abschlussbericht „Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern - 2004“ bestellen. Als Ansprechpartner für weitere Informationen, insbesondere zu den Teilnahmebedingungen, stehen Ihnen Herr Rechtsanwalt Jörg Schielein und Herr Diplom-Kaufmann Harald Kiesl, beide Rödl & Partner, jederzeit gerne zur Verfügung. Tel.: +49 (9 11) 91 93-3607; Fax: +49 (9 11) 91 93-3554; E-Mail: wasser@roedl.de; Internet: www.roedl-benchmarking.de.