Ergebnisse 2002/02

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Ergebnisse und Thesen zum Projekt „Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern (EffWB) “ 2002/2003

An der ersten EffWB haben 95 Unternehmen der kommunalen Wasserversorgung Bayern teilgenommen. Die ausführlichen Ergebnisse dieser Untersuchung stehen der Öffentlichkeit im Rahmen eines 80-seitigen Abschlussberichts zur Verfügung. Die Teilnehmer der Untersuchung haben weiterhin einen individuellen Bericht zur eigenen Positionsbestimmung erhalten. Dieser eignete sich sehr gut als Grundlage für eine vertiefende Beurteilung des jeweiligen Unternehmen und sollte zudem Ausgangspunkt für die Konkretisierung und Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen sein.
Die folgenden zehn Kernaussagen aus dem Abschlussbericht zu ersten Untersuchung beschreiben die Untersuchungsergebnisse qualitativ.

Die Beurteilung der Wasserversorgung muss von einem ganzheitlichen Ansatz ausgehen

Der Aspekt der Ganzheitlichkeit war Grundlage und Ziel der Untersuchung. Das Fachkonzept baut auf dem IWA - Kennzahlensystem auf und erweitert dieses in wesentlichen Punkten, insbesondere in Aufgabenwahrnehmung und Nachhaltigkeit. Die Beurteilung der Wasserversorgungsunternehmen mit 54 Kennzahlen berücksichtigt alle Aufgaben eines Wasserversorgers und alle Leistungsmerkmale der Wasserversorgung:

  • Effizienz (Kosten und Personal)
  • Sicherheit der Versorgung
  • Qualität der Versorgung
  • Nachhaltigkeit des Versorgers
  • Kundenservice

Die gleichwertigen Leistungsmerkmale werden mit Kennzahlen quantitativ erfasst und einzeln sowie zusammenfassend beurteilt. Die Interpretation der Kennzahlenergebnisse (Datenbasis 2000) erfolgt an Hand von Strukturdaten sowie mit übergeordneten Einflussgrößen wie der Aufgabenwahrnehmung, dem Outsourcinggrad, der Organisationsqualität und Kooperationen. Zudem wurden sechs zentrale Prozesse der Wasservorsorgung untersucht.

Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht auch die Ermittlung von Best Practice Werten. Diese Werte und die bei der Ermittlung berücksichtigten Rahmenbedingungen werden den Teilnehmern in einer Anlage zum Abschlussbericht zur Verfügung gestellt.

Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Unternehmensdaten beeinflusst die Aussagegenauigkeit

Das Datenmodell erfasst für alle Basisdaten deren Zuverlässigkeit und Genauigkeit mit jeweils drei Abstufungen. Damit war es möglich, oft unvermeidliche Schätzwerte in die Auswertung mit einzubeziehen, die abgeleiteten Ergebnisse aber auch entsprechend zu werten. Die Zuverlässigkeit und Genauigkeit von Daten nimmt mit zunehmendem Detaillierungsgrad von Aufgaben bei allen Unternehmungsgrößen deutlich ab.

Das am Aufgabenkatalog orientierte Datenmodell wurde von den Teilnehmern positiv bewertet und soll in vielen Fällen zur besseren Überwachung und Steuerung der Unternehmensergebnisse mit Datenerhebung im Jahresturnus genutzt werden. Dies ist grundsätzlich dringend zu empfehlen. Es wird damit einerseits eine bessere Datenqualität als Grundlage für bisher nicht ausreichende Managementinformationen erreicht. Andererseits sind stärker belastbare Kennzahlenergebnisse nach Höhe und Tendenz nur mit einer Mehrjahresverfolgung, d.h. durch eine kontinuierliche Betrachtung der Unternehmensentwicklung zu erreichen.

Die Organisationsqualität nimmt mit der Unternehmensgröße deutlich zu

In Anlehnung an das DVGW-Arbeitsblatt W1000 wurde die Organisationsqualität des Unternehmens mit acht unterschiedlich gewichteten Qualitätsmerkmalen zu Organisation, Aufgabendurchführung und Rechtskonformität erfasst. Die Ergebnisse lassen das Unternehmen Defizite und Schwachstellen in der Organisation erkennen. Die Ergebnisse zeigen, dass zur Erfüllung gesetzlicher und nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik notwendiger Anforderungen, insbesondere bei Betrieben kleiner und mittlerer Größe, noch gewisse Anstrengungen erforderlich sind. Dies gilt ganz wesentlich auch in Bezug auf Fragen der rechtsicheren Organisation und der damit verbundenen Vermeidung von Haftungsrisiken bei Verantwortlichen und Führungskräften. Ein möglicher Lösungsansatz hierfür sind Kooperationen auf freiwilliger Basis.

Kooperationspotenziale sind noch nicht voll ausgeschöpft

Mögliche Kooperationsgebiete können beispielsweise die Durchführung von gemeinsamen Materialeinkäufen, Ausschreibungen, Bauaufsicht, Bereitschaftsdienst, etc. sein. Kleinere und mittlere Unternehmen kooperieren weniger als große Unternehmen. Öffentlichrechtlich organisierte Unternehmen arbeiten mehr zusammen als privatrechtlich organisierte Unternehmen. In der Zusammenarbeit der Wasserversorger liegt noch deutliches Potenzial. Bei Erhalt dezentraler Anlagen können deckungsgleiche Aufgaben u.a. bei Verwaltung, Informationstechnologien, Betrieb und Instandhaltung von Anlagen in gemeinsamen Organisationseinheiten gebündelt werden.

Die laufenden Kosten sind Maßstab für eine Effizienzbeurteilung

Gesamtkosten entsprechen der Summe aus Kapitalkosten und laufenden Kosten. Die Kapitalkosten werden stark von der spezifischen Netzabgabe beeinflusst und entziehen sich, im Gegensatz zu den laufenden Kosten, einer kurzfristigen Steuerung. Aus diesem Grund wurden nur die laufenden Kosten für Effizienzvergleiche herangezogen. Der Verwaltungskostenanteil steigt mit der Unternehmensgröße auf über 30 % an. Die laufenden Kosten im Bereich Technik - mit im Mittel über 70 % Anteil - werden vom Grad der Aufgabenwahrnehmung beeinflusst.

Die generelle Abfrage von Zuverlässigkeit und Genauigkeit der erhobenen Daten ermöglicht im Einzelfall, die Aussage der Kennzahlen zu beurteilen.

Personalanalysen müssen den Outsourcinggrad berücksichtigen

Ein Vergleich von Personalkennzahlen kann nur auf der Grundlage gleicher oder wenigstens in der Größenordnung ähnlicher Outsourcinggrade erfolgen, ein Umstand der meist bei Personalvergleichen nicht berücksichtigt wird. EffWB ist die erste Untersuchung dieser Art, die diesen entscheidenden Aspekt in die Bewertung der Kennzahlen einbezieht! Das Fachkonzept unterteilt den Outsourcinggrad in drei Abstufungen. Von geringem zu hohem Outsourcinggrad geht die Personalstärke in Mitarbeiter pro 1.000 Hausanschlüsse (internationale Kennzahl) deutlich zurück. Zu berücksichtigen ist neben einer effizienzorientierten Obergrenze allerdings auch eine notwendige Untergrenze der Personalstärke mit Blick auf die Wahrnehmung notwendiger Aufgaben bei zu gewährleistendem Organisationsgrad.

Die Sicherheit der Versorgung ist in hohem Maße gewährleistet

Die Beurteilung der Versorgungssicherheit orientiert sich an dem Nutzungsgrad genehmigter und verfügbarer Wasserentnahmen, an der Anlagenauslastung, der Qualitätsüberwachung von Roh- und Trinkwasser und an der Zuverlässigkeit der Versorgung. Alle Kennzahlenergebnisse liegen in einem positiven Bereich, von Einzelfällen abgesehen, die einer Überprüfung bedürfen. Verbesserungspotenziale liegen bei dem Grad der Fernwirkanbindung von Anlagen, insbesondere bei kleineren und mittleren Betrieben. Die gesetzlich vorgeschriebene Überwachungshäufigkeit von Trinkwasser wird überall erfüllt, mit steigender Unternehmensgröße weit über den gesetzlichen Anforderungen.

Die Kennzahlenergebnisse zeigen einen hohen Qualitätsstandard

Die Qualität der Versorgung orientiert sich an den Themenbereichen Produkt- und Dienstleistungsqualität, Anlagenüberwachung und -wartung, Wasserverluste und Schadensraten. Die Einhaltung der Trinkwasserqualität ist garantiert, wobei die meist erhebliche Unterschreitung von Grenzwerten quantitativ nicht untersucht wurde. Der nach DVGW-Regelwerk empfohlene Überwachungsturnus von Anlagen ist meist eingehalten. Die technischen Werte für reale Netzverluste liegen im Bereich der vom DVGW charakterisierten Mittelwerte. Nur für einige Unternehmen werden wegen relativ hoher Verluste Maßnahmen zur Verlustreduzierung empfohlen. Die sogenannten kaufmännischen Verluste für nicht in Rechnung gestellte Wassermengen (in Prozent der Netzeinspeisung) zeigen mit 9 % ein niedriges Niveau, insbesondere im Vergleich zum europäischen Ausland mit Werten bis zu 30 %. Schwachpunkte im Verteilungsnetz sind auf Grund der Schadensraten die Hausanschlüsse und alte Graugussleitungen.

Die Nachhaltigkeit der Versorgung beinhaltet ökologische, ökonomische und soziale Aspekte

Die Nachhaltigkeit der Versorgung orientiert sich an den vier Themenbereichen Ressourcenherkunft, Ressourcenschutz, technische und wirtschaftliche Substanzerhaltung sowie an sozialen Kriterien. Ökologische Kriterien beziehen sich primär auf Anteile von Tiefengrundwasser an der jeweiligen Wasserförderung sowie an dem Flächenmanagement in Schutzgebieten einschließlich Kooperation mit der Landwirtschaft. In Einzelfällen werden zusätzliche Maßnahmen empfohlen, z.B. im Bereich von Ausgleichszahlungen für eine grundwasserschonende Landwirtschaft.

Soweit die teilweise festgestellten niedrigen Erneuerungsraten repräsentativ für längere Zeiträume sind, weisen diese auf Defizite bei der technischen Substanzerhaltung hin. Der Kostendeckungsgrad als Maßstab für die wirtschaftliche Substanzerhaltung zeigt eine ausgewogene Verteilung zwischen Über- und Unterdeckungen. Eine belastbare Aussage ist dazu jedoch nur an Hand von Mehrjahres-Durchschnittswerten möglich. Bei einigen wenigen Betrieben, meist kleiner Größe, wird eine Prüfung empfohlen, sollte der Deckungsgrad dauerhaft so niedrig liegen wie im Betrachtungsjahr. Dies gilt in gleicher Weise für deutliche Überdeckungen im Erhebungsjahr. Die Werte bei den Ausfalltagen pro Jahr und Mitarbeiter liegen insbesondere bei kleineren Betrieben deutlich unter dem Durchschnitt anderer Branchen. Dies verdient eine positive Wertung. Die durchschnittlichen Weiterbildungstage pro Mitarbeiter sind vergleichsweise als niedrig einzustufen.

Die Prozessbetrachtung schafft mehr Kostentransparenz

Ausgehend von Effizienzkennzahlen können Ursachen und Wirkungen von Optimierungsmaßnahmen insbesondere durch die Prozessbetrachtung beurteilt werden. Das EffWB Fachkonzept bietet hier mit der Erhebung von sechs zentralen Prozessen der gesamten Wertschöpfungskette erste Anhaltspunkte für eine individuelle und vertiefende Untersuchung. Die Verknüpfung zwischen Leistungs- und Prozessbenchmarking trägt dem Ziel einer umfassenden Positionsbestimmung Rechnung. Bislang bieten die Mittelwerte eine sinnvolle Orientierung. Bei kontinuierlicher Fortführung der Erhebung kann der Nutzen einer prozessorientierten Auswertung weiter verbessert werden.